Compliance,  e-Invoicing

Neuigkeiten zur E-Rechnung (B2B) in Frankreich

E-Rechnung (B2B) in Frankreich

Frankreich entwickelt derzeit ein elektronisches VAT-Reporting-System für Privat-unternehmen. Das Land ist dabei die Einzelheiten des B2B-Modells für die elektronische Rechnungsstellung (E-Rechnung) und die elektronische Umsatzsteuererklärung auszuarbeiten. Die französische Steuerbehörde, Direction Générale des Finances Publiques (DGFiP), hat zusammen mit der staatlichen Agentur Agence pour l'Informatique Financière de l'Etat (L'AIFE) eine Reihe von Arbeitsgruppen mit Unternehmen und Technologieanbietern, darunter auch EDICOM, organisiert.

Im Folgenden werden die Merkmale des neuen französischen Modells für die E-Rechnung und die jüngsten von der Regierung angekündigten Entwicklungen.

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Neues System für die E-Rechnung und VAT-Reporting

Die Direction Générale des Finances Publiques (DGFiP) hat den Rahmen für das neue Steuermodell bekannt gegeben. Diese Leitlinien beruhen auf den Ergebnissen der Pilotphase und der mit den Beteiligten (Unternehmen, Technologieanbieter und Regierung) durchgeführten Bewertung.

Das neue Steuersystem beinhaltet eine Verpflichtung für die E-Rechnung zwischen privaten Unternehmen sowie für die elektronische Meldung von Buchhaltungsdaten.

    Vorgeschlagenes Modell: Y-Schema

    In dem Bericht bewertete die Regierung zwei mögliche Modelle, die mit "V" und "Y" bezeichnet wurden. Die V-Regelung basierte auf dem in Italien bestehenden System, während die Y-Regelung näher an den elektronischen Rechnungsstellungssystemen in Lateinamerika lag.

    Die französische Regierung hat sich für das Y-Schema entschieden. Bei diesem Modell werden die E-Rechnungen von einem zertifizierten Anbieter validiert, bevor sie an die Steuerbehörde gemeldet werden. Dabei diente besonders Mexiko als Referenz für das Modell. Der Erfolg der CFDI-Regelung in Mexiko ist zum Vorbild für viele andere Länder geworden.

    Die DGFiP hat angekündigt, dass Unternehmen "Dematerialisierungsplattform-Partner" (Plateforme de Dématérialisation Partenaire - PDP) einsetzen müssen, die als vertrauenswürdige dritte Parteien fungieren. Die Rolle der PDP wird darin bestehen, Rechnungen umzuwandeln, zu validieren und an die französische Steuerbehörde zu senden.

    Die Regierung plant, die Infrastruktur von Chorus Pro, dem derzeitigen Portal für die E- Rechnung an öffentliche Auftraggeber, zu nutzen. Es wird an das neue B2B-E-Invoicing-System angepasst.

    Ziele des neuen Systems

    Die Regierung verfolgt die folgenden Ziele mit der Einführung der E-Rechnung:

    • Bekämpfung von Steuerbetrug
    • Senkung der Kosten für die Steuerkontrolle
    • Vereinheitlichung der Steuererklärungen
    • Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit durch Kostensenkung
    • Verbessertes Verständnis der wirtschaftlichen Situation durch Echtzeit-Berichterstattung über die Geschäftsvorgänge

    Welche Unternehmen sind zur E-Rechnung verpflichtet?

    Alle umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen.

    Nationales B2B2G-Portal für die E-Rechnung (Plateforme Publique de Facturation - PPF)

    Chorus Pro wird die öffentliche Rechnungsstellungsplattform werden, die derzeit für die Übermittlung von E-Rechnungen an öffentliche Auftraggeber dient. Um das neue System zu implementieren, werden neue Funktionen hinzugefügt, die die Verwaltung von B2B-Rechnungen und elektronischen Berichten umfassen.

    Neue elektronische E-Rechnungsplattform

    • Die DGFiP-Middleware wird die von den zertifizierten privaten Plattformen gesendeten Steuererklärungsströme zentralisieren und an den Informationsdienst der DGFiP weiterleiten
    • Aktualisierung für das neue Annuaire
    • Demat-Operator: Kleine Unternehmen können Chorus Pro als manuelle Plattform für den Austausch von elektronischen Rechnungen nutzen

    Zeitplan für die Implementierung

    Ab 2024 müssen Unternehmen in der Lage sein, E-Rechnungen zu empfangen. Die Regierung hat einen Zeitplan für die Einführung des neuen Systems für die Ausstellung von Rechnungen und die elektronische Berichterstattung in Abhängigkeit von der Größe der Unternehmen festgelegt:

    • 1. Juli 2024 für große Unternehmen
    • 1. Januar 2025 für mittelgroße Unternehmen
    • 1. Januar 2026 für kleine Unternehmen

    Funktionsweise der E-Rechnung

    Im Y-Schema erstellen die Unternehmen E-Rechnungen und Buchhaltungsdokumente und senden sie zur Validierung an die Certified Private Platform (CCP). Die CPP führt alle von der DGFiP geforderten Kontrollen durch und stellt die Rechnungen nach ihrer Prüfung den Empfängern zu. Die CPP meldet auch die erforderlichen Steuerinformationen über Chorus Pro an die DGFiP.

    Wenn einer die Handelspartner nicht über eine zertifizierte private Software für den Empfang oder Versand von Rechnungen verfügen, müssen die Dokumente manuell auf der Plattform gemeldet werden.

    Das Y-Schema sieht verschiedene Informationsflüsse vor, je nachdem, ob die Unternehmen über eine zertifizierte private Software verfügen.

    Die DGFiP hat das Annuaire geschaffen, ein zentrales Register mit den Identifikationsdaten der Unternehmen, um den Austausch von E-Rechnungen zwischen privaten Unternehmen und öffentlichen Auftraggebern zu erleichtern.

    Annuaire - Zentralisierte Unternehmensdirektion

    Zu den jüngsten Maßnahmen, die das Wirtschafts- und Finanzministerium angekündigt hat, gehört das Annuaire. Dabei handelt es sich um ein zentrales Verzeichnis, in dem alle Beteiligten nach den notwendigen Informationen für die korrekte Übermittlung von E-Rechnungen suchen können.

    Das Annuaire enthält:

    • Informationen zur Identifizierung von Unternehmen, die Rechnungen empfangen, einschließlich Details über ihre Struktur, um die Ausstellung für Unternehmen einfacher zu verwalten.
    • Identifizierung von PDPs, die Unternehmen für den Empfang von E-Rechnungen nutzen.

    Das Annuaire wird den PDPs und der Regierung zur Verfügung stehen.

    Verwaltung des Rechnungsstatus

    Die Unternehmen sind dazu verpflichtet Benachrichtigungen über den Status der Rechnungen zu erstellen. Das Ziel ist es, eine vollständige Rückverfolgbarkeit des Dokuments zu gewährleisten und mögliche Probleme während der Übermittlung schnell zu erkennen.

    Es können bis zu zwölf verschiedene Status an die französische Steuerbehörde übermittelt werden, von denen jedoch nur drei verpflichtend sind.

    Die vorgeschriebenen Status sind:

    • Debit-Option (buchhalterischer Aspekt für die Umsatzsteuer)
    • SIREN (USt-ID)
    • Lieferadresse oder Ort, an dem die Dienstleistung angeboten wird

    Format der E-Rechnung

    Die elektronischen Rechnungsinformationen müssen im UBL-, CII- oder Factur-X-Format ausgestellt werden.

    e-Reporting

    Neben den E-Rechnungen müssen die Unternehmen je nach ihren Geschäftsvorgängen eine Reihe von digitalen Steuerberichten übermitteln. Derzeit ist festgelegt, dass die folgenden Informationen gemeldet werden müssen:

    • Informationen im Zusammenhang mit der Zahlung
    • Informationen in Bezug auf B2C-Transaktionen
    • Informationen im Zusammenhang mit internationalen B2B-Transaktionen

    Das Meldesystem wird je nach Art der zu meldenden Daten unterschiedlich sein.

    Entwicklung der E-Rechnung (B2B) in Frankreich

    • 1990: Artikel 27 des Gesetzes Nr. 90-1169 verleiht E-Rechnungen die gleiche Rechtsgültigkeit wie Papierrechnungen.
    • 2010: Die Europäische Union veröffentlicht die Richtlinie 2010/45/EU, die die Nutzung der E-Rechnung im privaten Sektor der Mitgliedstaaten regelt.
    • 2012: Umsetzung der europäischen Richtlinie in das französische Gesetz Nr. 90-1169 De Finances Rectificatives.
    • 2019: Das Gesetz Nr. 2019-1479 De Finances für 2020 kündigt die Absicht an, die E-Rechnung zwischen Unternehmen verbindlich vorzuschreiben.
    • 2020: Pilotprojekt zur E-Rechnung wird mit 50 Unternehmen durchgeführt.
    • 2020: Die französische Steuerbehörde Direction Générale des Finances Publiques (DGFiP) veröffentlicht einen Bericht mit allgemeinen Leitlinien für das B2B-E-Invoicing-System.
    • 2021: Die Verordnung Nr. 2021-1190 bildet den rechtlichen Rahmen für die obligatorische Verwendung der E-Rechnung bei B2B-Transaktionen.

    Auf dem Weg zu einem B2B2G-Modell für elektronische Rechnungen

    Die E-Rechnung gibt es in Frankreich bereits seit 1990. Die Vermeidung von Dokumenten in Papierform ist in den französischen Unternehmen. Frankreich war eines der ersten europäischen Länder, das die E-Rechnung für öffentliche Auftraggeber eingeführt hat.

    Ab 2020 müssen sowohl die öffentlichen Auftraggeber als auch deren Lieferanten E-Rechnungen über die Chorus Pro austauschen.

    Angesichts der positiven Ergebnisse der E-Rechnung an öffentliche Auftraggeber beschloss die Regierung, die obligatorische Nutzung auf private Unternehmen auszuweiten. Im Gegensatz zum italienischen Modell hat Frankreich jedoch beschlossen, die Validierung der Rechnungen im Rahmen seines B2B-E-Invoicing-Modells an die CPPs zu delegieren.

    Veröffentlichung des technischen Standards

    Die technischen und gesetzlichen Anforderungen für die Anpassung an das neue Modell werden gemäß Artikel 46 der Änderung Nr. II-3211 des Entwurfs des Finanzgesetzes von 2021 voraussichtlich im September veröffentlicht werden. Zu den Anforderungen gehören das Format der verschiedenen Steuerdokumente, die Bedingungen für die Plateformes Privées Certifiées (CPPs) und die Periodizität der elektronischen Steuererklärungen.

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